Ausstellungsstück des Monats April 2016

Schmuggelkleid

Material: Baumwolle
Ursprungsort: Norddeutschland
Datierung: Anfang des 20. Jahrhunderts


Der Schmuggel mit Gütern war an der deutsch-niederländischen Grenze früher ein alltägliches Phänomen. Geschmuggelt wurden unter anderem Tee, Kaffee oder Tabak. Diese Luxusgüter wurden von der hiesigen Regierung damals stark besteuert und waren deshalb teurer als im niederländischen Nachbarland.
Aus diesem Grund war es bei ostfriesischen Frauen weit verbreitet, den jenseits der Grenze eingekauften Tee in kleinen Säckchen unter den Röcken zu verstecken und so vor den Blicken der Zöllner zu verbergen. Dafür wurden die Kleider zuvor entsprechend präpariert.
„Häf wi kin Tee, muten wi starven“ (Haben wir keinen Tee, müssen wir sterben), lautet ein ostfriesisches Sprichwort. So lässt sich erklären, dass viele Frauen das Risiko eingingen, entdeckt zu werden.
Im Dezember 1952 wurde beispielsweise in Bunderneuland eine aus Groningen heimkehrende Frauengruppe beim Schmuggeln erwischt. Sie fielen den Grenzbeamten auf, weil die Damen „unbeholfen gingen und merkwürdig gepolstert“ aussahen. Bei der Kontrolle holten die Beamten insgesamt eineinhalb Zentner Tee hervor!
1953 wurden die Steuern auf Tee und Kaffee in der Bundesrepublik gesenkt und der Schmuggel aus den Niederlanden und Frankreich nahm erheblich ab.
Erst mit der Abschaffung der Teesteuer in Deutschland im Jahre 1993 endete der Teeschmuggel endgültig. Die Kaffeesteuer gibt es übrigens noch immer (2,19 € / kg gerösteter Kaffee).

Abbildung eines Kleides, welches zum Schmuggeln von Tee verwendet wurde, aus der Sammlung des Bünting Teemuseum in Leer.

öffnungszeiten

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Brunnenstraße 33
26789 Leer
T 0491-992 20 44
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